Warum Informationen aus nutzererlebnisorientierter Sichtweise nur Rohöl sind?

Rohölförderung„Daten sind das neue Öl“, ein Zitat von Gerd Leonhard, welches sich primär zwar auf einen anderen Kontext bezieht, aber in genauer Betrachtung hervorragend an den Titel dieses Beitrags anschließt. Leonhard legt damit den Wert von Daten, ergo Informationen, als digitales Gut dar.

Betrachtet man Informationen in einer allgemeinen, technologischen Kohärenz, handelt es sich grob formuliert, lediglich um Rohöl. Die reine Aggregation von Daten erzeug eine Flut von Informationen, die kontextuell zwar einen hohen Wert besitzen, aber ohne weiterführende Verarbeitung für Interaktionen nutzlos sind.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

Die Differenzierung in gut und schlecht, bzw. relevant oder irrelevant ist zwar sehr grob formuliert, aber dies ist im Grunde die Anforderung an ein semantischen Datenmodells. Das Ergebnis ist kurz gefasst eine Datenbank, deren Nutzwert in dieser Beschaffenheit für einen (End-)Anwender immer noch sehr fragwürdig ist.

Um Informationen dieser Datenbank nun auf eine sinnvolle Art zu verwerten, bedient man sich diverser automatisierter und manueller Verfahren. Eine der zentralen Voraussetzung ist die Bildung von qualifizierten Metadaten um Klassifikationsschemata zu bilden und eine Indexierung zu ermöglichen. In wie weit Informationen und Daten aus diesem Bestand nun verwertbar sind, unterliegt einer ganzen Reihe entscheidender Faktoren, folgend ist die Qualität der Informationen eher relativ in diesem Status.

Die Indexierungskonsistenz schafft nun die Grundlage, um erstmals geeignete Informationen überhaupt darstellen zu können, wäre da nicht das Faktum Mensch alias Anwender, dessen eingeschränkter Horizont in der Regel nicht gerade verträglich auf Aneinanderreihung von Zeichenketten anspricht.

Faktor Mensch

Wir Menschen/Anwender haben nämlich ein ganz gravierendes Problem: wir sind zu einem erheblichen Maß von unseren kognitiven Fähigkeiten abhängig. Und wäre das nicht genug, variieren diese auch noch von Mensch zu Mensch (wenn auch nur in Nuancen). Zudem sind wir von Natur aus sehr bequem und lieben Gewohnheiten.

Im Durchschnitt betrachtet verbinden uns aber immerhin kommunikative Fähigkeiten und die visuelle Wahrnehmung. Um vermeintlichen Störfaktoren der Kommunikation auch im Umfeld komplexer Interaktionsszenarien wie z.B. der Mensch-Maschinen-Interaktion entgegen zu wirken, lassen sich die lieb gewordenen Gewohnheiten des Menschen aber zu seiner besseren Auffassung nutzen. Metaphern sind ein solches Stilmittel. Der „Desktop“ ist ein etablierter Standard auch in vielen anderen Bereichen finden sich in Applikationen sinnbildliche Assoziationen.

Das Umfeld wäre gebildet, aber letztendlich ist es immer noch mehr Rohöl als aufbereitete Information. Auf den Nenner reduziert ist es die Kunst, dem Anwender die Daten zu liefern, die für ihn/sie relevant, wichtig und verständlich sind.

Die Entscheidung, welche Informationen wertvoll, relevant und verständlich sind, fällt der Benutzer in der Regel selbst. Im Vorfeld sollte nur alles erdenkliche Getan werden, ihm diese Entscheidung so einfach wie möglich zu gestalten und nach Möglichkeit sogar abzunehmen. Es gibt dabei nicht darum Daten vorzuenthalten, sondern entsprechen individueller Maßstäbe nach zu filtern und aufzubereiten. Eine Aufbereitung sollte den Ausschluss möglicher Frustfaktoren auf jeden Fall berücksichtigen.

Eine große Anzahl an irrelevanten oder schlichtweg problemlos als falsch zu identifizierende Informationen, wirken sich dabei gleichermaßen negativ aus, wie unnötig redundante Ergebnisse.

Aus nutzungserlebnisorientierter Sicht sind bei der Visualisierung von Informationen, sowohl die als subjektiv empfundene als auch objektiv ermittelte Qualität der Daten, die Informationsarchitektur und die unmittelbare Darstellung entschiedene Schlüsselfaktoren.

Eine objektive Qualität von Informationen ermittelt sich durch den reellen Nutzwert der Informationen. Eine durch den Benutzer empfundene subjektive Qualität der Informationen ist von mehren Komponenten abhängig. Unter anderem können hier der Sprachstil, der Wortumfang und die Informationsdichte eine Rolle spielen.

Informationsvisualisierung erfordert eine sehr gute Planung, die neben einer Zielgruppenanalyse auch weitergehende Methoden wie die Entwicklung von Personas erfordert. Ergebnisse dieser Analysen sollten bei der Entwicklung entsprechender Applikationen bereits in den Planungsprozess einfließen und auch mögliche, nachträgliche Optimierungen und Modifikationen sollten berücksichtigt werden.

Gastbeitrag von Tobias Glawe

Tobias Glawe, Jahrgang 1980, ist als Informations- und User Experience Designer mit dem Schwerpunkt User Research und User Centered Design als Berater und Praktiker tätig. Er betreut Unternehmen, Hersteller und Anbieter aus unterschiedlichsten Branchen.

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